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China wird zum „Friedhof der Kuscheltiere“

Ist bald Schluss mit der Produktion in Billiglohnländern?

Bonn/Bremen – Lange Zeit galt es als ausgemacht, dass Deutschland einen Großteil seiner Produktion in so genannte „Billiglohnländer“ verlagern wird. „Einfache Arbeit in Deutschland fällt der Rationalisierung zum Opfer oder wird in Ausland verlagert. Der Anteil der Beschäftigten in der Produktion wird um das Jahr 2010 bis unter 20 Prozent gefallen sein, schätzen Experten. Umso wichtiger wird die Innovationsfähigkeit von Unternehmen“, schreibt Roland Drewinski, Mitglied der Geschäftsleitung der Contact Software GmbH http://www.contact.de mit Sitz in Bremen, in einem Beitrag für das Magazin Economic Engineering http://www.economic-engineering.de.

Der Autor verweist auf den österreichischen Ökonomen Joseph Schumpeter, der vor 70 Jahren den Begriff „Innovation“ in die Wirtschaftswissenschaften eingeführt habe. „Die Deutschen sind zwar unverändert hervorragende Erfinder und Ingenieure. Für sich genommen ist dies aber immer weniger ein Garant für den geschäftlichen Erfolg. Produkte zu entwickeln bedeutet heute mehr denn je Teamwork und intensive Abstimmung“, so Drewinski. Diese Änderung des Blickwinkels hin zur durchgehend systematischen Produktentwicklung durchzusetzen sei Aufgabe des Managements. Dafür sei der Name „Product Lifecycle Management“ (PLM) geprägt worden.

Nutzen und Erfolg eines solchen Systems hänge davon ab, wie „mit dem vermeintlichen Widerspruch zwischen der Kreativität der Ingenieure und einer systematischen Produktentwicklung umgegangen wird“. Im Extremfall ergäbe sich eins der folgenden drei Szenarien: Kreativität wird durch Überorganisation erstickt, es entwickeln sich Inseln aus Kreativen und Bürokraten oder ein kreatives Chaos dominiert den Gesamtprozess. Der Autor plädiert für das Konzept „Teile und herrsche“. Nach dem Prinzip der Selbstorganisation gebe der Gesamtprozess lediglich unabdingbare Regeln und Checkpoints vor. Dazu ein Beispiel: „Reifegradlogik“. Frühe, kreative Phasen kommen mit viel geringerem Organisationsgrad aus. Erst mit zunehmendem Reifegrad steigt die Notwendigkeit des formalen Vorgehens.

Dass insbesondere der Standort Deutschland von der Innovationsfähigkeit seiner Unternehmen abhängt, dürfte jedem einleuchten. Aber stimmt Drewinskis Ausgangsthese, wonach der hiesigen Produktion das Totenglöcklein läutet? Wegen zunehmender Qualitätsprobleme in Billiglohnländern holen deutsche Firmen ihre Produktion heim. Jüngstes Beispiel: Steiff lässt seine Kuscheltiere nicht mehr in China produzieren. „Qualitätsprobleme und zu lange Transportwege – das sind die Hauptgründe, warum der Kuscheltierhersteller Steiff seine teilweise nach China verlagerte Produktion zurückholt“, schreibt die Financial Times Deutschland (FTD) http://www.ftd.de. „Sitzt etwa ein Glasauge eines Teddybären nur einen Millimeter schief, schaut das Kuscheltier nicht mehr treuherzig, sondern starrt vor sich hin“, bringt die Zeitung das Dilemma plastisch auf den Punkt.

Auf jede fünfte Verlagerung folge innerhalb von vier bis fünf Jahren eine Rückverlagerung, so eine Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung http://www.isi.fraunhofer.de/. Der Studie zufolge kehrte jeder vierte bis sechste Betrieb nach Deutschland zurück, weil Einbußen bei Qualität und Flexibilität die erhofften Einsparungen bei den Lohnkosten auffressen. Firmen könnten beispielsweise nicht mehr schnell auf Kundenwünsche reagieren.

„Selbstverständlich ist nicht jede Verlagerung der Produktion ins Ausland gerechtfertig. Dass eine schlampige Planung der Verlagerung zusätzliche Probleme schafft, liegt auf der Hand. Allerdings sollten wir uns nicht der trügerischen Hoffnung hingeben, dass nun alle deutschen Firmen wieder reumütig an den heimischen Herd zurückkehren“, sagt Udo Nadolski, Geschäftsführer des Düsseldorfer Beratungshauses Harvey Nash http://www.harveynash.de. Er erinnert an den Abzug von Nokia aus Bochum. Die Entscheidung der Finnen hält er für konsequent und richtig, auch wenn es letztlich zu einem Begräbnis erster Klasse mit einer Zahlung von 40 Millionen Euro für die betroffene Region geworden sei. „Glaubt wirklich noch jemand ernsthaft, dass es noch rentabel ist , in Deutschland Handys zu bauen? Nein, definitiv nicht. Die Lohnkosten sind mittlerweile viel zu hoch, insbesondere im Vergleich zu den Niedriglohnländern in Asien.“

Die Politik verschließe die Augen vor der Wirklichkeit und verpasse Reformen, meint der Personalexperte. In Deutschland vermittelt seine Firma nur noch hoch qualifizierte Softwarespezialisten und längst keine Mitarbeiter mehr für lohnintensive Produktionsbereiche. Den Abwanderungstrend ins Ausland könne man höchstens mit einer Radikalkur stoppen: Kündigungsschutz lockern, Mitbestimmungsrechte beschneiden und Tarifverträge entzerren, so Nadolski. Doch dafür habe die Bevölkerung angesichts steigender Preise und unverändert hoher Steuern und Sozialabgaben immer weniger Verständnis, weil die Angst selbst der Mittelschicht wachse, Wohlstandseinbußen zu erleiden.


Geschrieben am 04.07.2008 von admin in * Allgemein.