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Eigensinnige Technik: Gescheiterte Innovationen und Prognosen für die Zukunft

Frankfurt am Main/Düsseldorf, 13. Januar 2009, www.ne-na.de – Der technische Fortschritt ist unberechenbar und eigensinnig, meint der FAZ-Redakteur Michael Spehr http://www.faz.net und analysiert die Tops und Flops des vergangenen Jahres: In Fachzeitschriften war die Rede vom Siegeszug der OLED-Displays, die ein sehr kontrastreiches Bild liefern, von Brennstoffzellen als alternativer Stromversorgung elektronischer Kleingeräte, von der Durchsetzung des DVB-H-Standards für mobilen Fernsehempfang mit dem Handy. Dann sollte die Bluray-Scheibe der DVD den Garaus machen und USB 3.0 mehr Tempo bei der Datenübertragung bieten. Die Handy-Magazine präsentierten Nokias „iPhone-Killer” mit berührungsempfindlichem Display, und die PC-Zeitschriften beschworen in der Computerwelt das Credo von „noch mehr Leistung” mit Achtkernprozessoren und dass natürlich alles immer schneller und besser wird.

„Keiner dieser Hellseher lag richtig, DVB-H wurde zum Technik-Flop des Jahres, USB 3.0 ist gerade mal angekündigt worden, und die Bluray verkauft sich nur sehr verhalten. Der Markt hat sich vollkommen anders entwickelt. Das Paradebeispiel ist der Überraschungserfolg der Netbooks, der kleinen Mini-Notebooks in der Preisklasse von um die 400 Euro, die allemal genug Leistung für Internet, E-Mail und Textverarbeitung bieten und ausnahmslos unter Windows XP laufen. Für Standardaufgaben am PC braucht kein Mensch einen Achtkernprozessor, und das ressourcenhungrige Vista hat paradoxerweise nicht zu dem erwarteten Ansturm auf neue PCs mit mehr Rechenleistung und Speicher geführt, sondern zu einem neuen Trend, der sich besinnt auf Werte wie Nachhaltigkeit und Effizienz”, so Spehr. Das erkläre auch den Erfolg der Mac-Rechner von Apple: Sie sind schick, schnuckelig, schnell, sicher, selbsterklärend und werden auch in diesem Jahr ihren Marktanteil gewaltig vergrößern.

„Auch bei der Software lief alles anders als vorhergesehen: weg von der Opulenz überdimensionierter Pakete hin zu kompakten und schlichten Programmen, die genau das tun, was sie sollen, und auf nervigen Schnickschnack verzichten. Solche Anwendungen kommen meist aus der Open-Source-Bewegung, wie der Firefox-Browser 3 oder das Büropaket Open Office 3, das sich hinter einem Microsoft Office nicht zu verstecken braucht. Alle diese Programme sind kostenlos, klar dokumentiert und haben keine Falltüren à la Zwangsregistrierung oder Kopierschutz”, erklärt Spehr. Generell werde Mammut-Software aussterben und mit ihr jene Unternehmen, die das nicht begreifen. Man müsse nicht mehr alles mitmachen, was die Industrie als „neu” oder „modern” anpreist. Einfache, faire und überschaubare Produkte seien stärker denn je gefragt, etwa die Flatrate fürs Telefonieren und in diesem Jahr die Datenflatrate, die einen endlich unabhängig macht vom DSL-Anschluss der Telekom. Zudem wachse das Unbehagen gegenüber Gängelungen.
„Die Macht der Meinungen im Internet wird stärker. Bewertungsportale, Foren und private Seiten legen Finger in die Wunden und werden von potentiellen Käufern um so mehr gelesen, wie der Technikjournalismus der Fachzeitschriften seine Jubelarien mit hübschen Produktbildern und halbnackten Mädels garniert”, resümiert Spehr.

Nach Ansicht von Udo Nadolski, Geschäftsführer des Düsseldorfer Beratungshauses Harvey Nash http://www.harveynash.com/de/, hängt der Markterfolg neuer Technologien nicht vom Featurismus ab: „Der iPod von Apple in Verbindung mit iTunes ist ein gutes Beispiel hierfür, ebenso das iPhone und der iPod Touch, die ja auch über den iTunes-Store Musik, Videos und Software herunterladen können. Nach nur etwa einem Jahr hat das iPhone den Spitzenplatz unter den verkauften Smartphones eingenommen, da Komfort wie auch Inhalte überzeugend sind. Sollte Apple tatsächlich einen XXL-iPod Touch mit 9 bis 10 Zoll Display bringen, könnte das den Markt der so genannten Netbooks noch stärker beflügeln”, prognostiziert der IT-Experte Nadolski. Innovationen wie HDSPA, Blu-ray und USB 3.0 seien wirkungslos, solange sie nicht auf tragfähigen Geschäftsmodellen beruhen und attraktive Dienste für Anwender erbringen. „Das Dilemma bei Mobile TV in Deutschland belegt diese These genauso wie das Scheitern des digitalen Radio-Standards DAB. Wenn sich für den Anwender keine Vorteile hinsichtlich Inhalt, Komfort und Qualität in einem Maße ergeben, dass er bereit ist, dafür extra zu bezahlen, bleibt nur noch eine Finanzierung über Dritte durch Werbung, Kunden-Profiling und andere Dienste. Hat die Anwendung aber noch keine kritische Masse im Markt erreicht, wird auch die Drittfinanzierung nicht funktionieren”, sagt Nadolski.

Das Problem der Tragfähigkeit der Geschäftsmodelle stelle sich auch den Online Communities, die oft als typische Beispiele für das Web 2.0 genannt werden. „Mit Ausnahme von Xing ist vermutlich keine der vielfältigen Communities von Facebook bis Wer-kennt-wen? heute profitabel. Der Nutzen gerade der privat orientierten Communities ist zwar für Anwender greifbar, aber die Akzeptanz und Verbreitung beruht in hohem Maße darauf, dass sie kostenlos sind. Die Drittfinanzierung funktioniert bisher nicht ausreichend. Das dürfte auch das Problem des Open Source-Betriebssystems Linux sein. Mit allen Distributionen hat Linux heute einen Marktanteil von weniger als einem Prozent bei Desktop oder mobilen Computern. Ein akzeptables Geschäftsmodell fehlt bislang”, meint der Harvey Nash-Chef.

Online Communities werden sich nach Marktanalysen von Mind-Geschäftsführer Bernhard Steimel http://www.mind-consult.net weiter ausbreiten mit einer stärkeren Spezialisierung. Ein gutes Beispiel ist ‚World of Warcraft’. Die Erweiterung des System unter dem Namen ‚Wrath of the Lich King’ verkaufte sich am ersten Tag 2,8 Millionen mal und die Spielteilnahme kostet pro Monat 11 bis 13 Euro”, erläutert Steimel. Cloud Computing, also die Nutzung von Applikationen über das Netz, wurde schon oft propagiert, wird sich nach Expertenansicht auch mit den Netbooks für Standard-Anwendungen wie Office-Applikationen nicht durchsetzen. „Warum soll der Anwender für die Nutzung einer Software bezahlen, die er ebenso gut kostenlos als Open Source installieren kann, und die dabei immer – unabhängig vom Online-Zugang – verfügbar ist”, so Nadolski. Internet-Telefonie – mittlerweile in der SIP-Variante – werde sich nach seiner Erfahrung durchsetzen, wenn die Netzbetreiber eine direkte SIP-Anbindung bieten. „Es ist davon auszugehen, dass in diesem oder im nächsten Jahr derartige Dienste massiv angeboten werden. Mobile Breitbandzugänge, HSDPA oder später LTE (Long Term Evolution) werden dann interessant, wenn die Flat Rate-Tarife marktgerecht sind und SIP-Telefonie gleich mit angeboten wird. Auch die Anbieter von Breitbandzugängen werden noch einmal neu sortiert, wobei wenige Anbieter mit xDSL- und 3G-Portfolio übrig bleiben”, vermutet Nadolski.


Geschrieben am 15.01.2009 von admin in * Allgemein.