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Genuss und Gewissen, Moral und Märkte

Kulturwissenschaftler Nico Stehr über die neue Macht der Konsumenten

Von Henriette Schmidt-Beck

Bonn/Friedrichshafen – Die Märkte werden moralischer. Käufer und Konsumenten gewinnen einen Einfluss, dem sich die Produzenten von Gütern und Waren nicht entziehen können, sagt der Kulturwissenschaftler Nico Stehr im Interview mit der Wirtschaftswoche http://www.wiwo.de. Jahrhundertelang hätten Ökonomen und die Kulturkritik ein Bild des Konsumenten gezeichnet, das nicht mehr der Realität entspreche. „In diesem Bild wird der Konsument als Opfer, als ohnmächtiger Akteur am Markt beschrieben, als ein schwaches Wesen, als Arbeitskraft und Produktionsfaktor, sei es bei Adam Smith, Karl Marx oder Jean Baudrillard“, so der Karl-Mannheim-Professor for Cultural Studies, Zeppelin University, Friedrichshafen, Germany http://www.zeppelin-university.de/frameblast_eng.php?url=/english/departments/stehr.php.

Die Moral in der Ökonomie sei nicht neu, sondern dass dieser Trend vom Konsumenten gesteuert werde. Als Avantgarde macht Stehr die Grünen aus, „zunächst eine einflusslose Gruppe mit strickstrümpfigem Personal“. Heute seien die Außenseiter Mainstream: „Die, die ihre Bio-Produkte einst auf einem Bauernmarkt einkaufen mussten, können sie heute bei Aldi und bei Lidl einkaufen. Kurzum: Die Grünen haben schon damals Dinge formuliert, die heute common sense sind.“ Stehr plädiert dafür, „Genuss und Gewissen“ miteinander zu verbinden. Die Globalisierung sei der Motor dieser Moralisierung: „So reichen die Produktionsketten von Waren, sei es Kaffee oder Spielzeug, weit nach Afrika, nach Mittel- und Südamerika und Asien hinein. Und beim Konsumenten wächst das Gefühl, für all das verantwortlich zu sein – und sein zu können.“

„Selbstverständlich hat der Kunde aufgrund der Informationsvielfalt, größerer Wahlmöglichkeiten bei den Produkten und eines höheren Budgets beim Einkauf mehr Macht als zu früheren Zeiten. Doch dass dies nicht immer so ist, zeigt die aktuelle Debatte über das so genannte Gammelfleisch“, sagt Ulrich Overdiek, Inhaber der Vivamangiare Wellfood GmbH http://www.vivamangiare.de in Köln. „Selbst Verbraucherminister Horst Seehofer ist machtlos, wenn strengere Lebensmittelkontrollen an anderen EU-Staaten scheitern. Der Minister hatte zurecht vorgeschlagen, Schlachtabfälle einzufärben, um die Fleisch-Mafia wirksamer zu bekämpfen. Eine nationale Regelung ist nicht so gut wie eine europäische. Der Verbraucher kann sich also nur an die banale, aber richtige Erkenntnis halten, dass Qualität ihren Preis hat. Doch leider sind die Deutschen bei Lebensmitteln oft zu scharf auf zweifelhafte, weil gesundheitsschädliche Schnäppchen.“


Geschrieben am 19.09.2007 von admin in * Allgemein.