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Hinter dem Rücken der Kunden:

Hersteller sparen heimlich an ihren Rezepturen, Plagiate drängen auf den Markt

Frankfurt am Main/München/Balingen – Der Unterschied zwischen echter Kakaobutter und billigem Pflanzenöl mit Butteraroma ist kaum zu erkennen. Darauf spekulieren wohl einige Lebensmittelhersteller. Sie müssen sparen, steigen dafür auf günstige Transport- und Verpackungsmethoden um, und schrauben möglichst unauffällig an den Rezepturen. Die Lebensmittelzeitung http://www.lz-net.de berichtet über das Erfindungsreichtum amerikanischer Unternehmen. In Keksen fänden sich plötzlich Walnüsse und nicht die teuren Pekannüsse, Knoblauchpulver ersetze Knollen und statt des mediterranen Oreganos stünde meist ein mexikanisches Alternativprodukt auf der Einkaufsliste. Solche Aktionen sind ein Drahtseilakt, bemerkt der Verbraucher die Änderung und fühlt sich hintergangen, so kann die vermeintliche Sparmaßnahme schnell in Umsatzeinbußen umschlagen.

Deswegen tricksen die Hersteller gezielt mit Werbebotschaften: „Lieber Kunde, wir ersetzen die Kakaobutter nur ihrer Gesundheit zu Liebe durch Pflanzenöl, schließlich sind rein pflanzliche Fette wesentlich gesünder“. Ein überzeugendes Argument, der Kunde wird vom eigentlichen Ziel des Unternehmens abgelenkt und zieht mit. Allerdings nicht immer. „In Zeiten übersättigter Märkte ein fataler Fehler“, sagt Marc Büttgenbach, Vertriebsleiter Papier und Etiketten des Balinger Technologieherstellers Bizerba http://www.bizerba.de, im Gespräch mit NeueNachricht http://www.ne-na.de. Kundenvertrauen sei wichtiger denn je, denn viele Produkte seien sich qualitativ und preislich so ähnlich, dass der Hersteller den Konsumenten nicht durch Unehrlichkeit verprellen darf. Deswegen stünden bei vielen Lebensmittelhändlern bereits Waagen mit großen Displays in den Läden, die dem Kunden detaillierte Informationen über die Inhaltsstoffe anzeigen.

„Zunehmend wichtiger sind auch Siegeletiketten geworden, mit denen sich Originalverpackungen schützen lassen. Denn nicht nur Kleidung wird gefälscht, ins Fadenkreuz der Kriminellen geraten auch Lebensmittel“, weiß Büttgenbach. Wie der Focus http://www.focus.de berichtet, starben zwölf Säuglinge im Osten Chinas, weil ihre Mütter sie mit gefälschtem, nährstofflosem Milchpulver gefüttert hatten. Diese Form der Produktpiraterie ist nach Erkenntnissen von Branchenexperten kein Einzelfall. Fälschungen werden mit Originalen vermischt und in Containern versteckt, sie gehen im globalen Warenverkehr unter und landen schlimmstenfalls im Supermarkt. „Das hat es sicher schon mal gegeben. Es gibt kein absoluten Schutz für den Verbraucher. Aber das Risiko, im Supermarkt gefälschte Lebensmittel zu kaufen, ist geringer als bei anderen Bezugsquellen”, sagt Rüdiger Hagen vom Zollkriminalamt in Köln in einem Bericht der WDR-Sendung „Aktuelle Stunde“. Insgesamt 5,5 Millionen gefälschte Nahrungsmittel beschlagnahmten Zollbeamte der Europäischen Union http://www.europa.eu im Jahr 2007, die Dunkelziffer ist schwer zu überschauen, denn gerade einmal fünf Prozent der gehandelten Waren werden kontrolliert.


Geschrieben am 17.09.2008 von admin in * Allgemein.