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Instabilität setzt Kreativität frei – Veränderungsmanagement braucht offene Kommunikation

Vorabmeldung des Wirtschaftsmagazins NeueNachricht (Winterausgabe)

Bonn/Neuss – „Das Unternehmen des 21. Jahrhunderts entwickelt sich kontinuierlich zu einer weniger starren, demokratischeren Organisation“, sagt der amerikanische Organisationstheoretiker Thomas W. Malone vom Massachusetts Institute of Technology (MIT). Trotz abgespeckter Organisation kann ein Netzwerkunternehmen ganzheitlichen Service bieten. Bei Peter Kruse, dem Autor des Buches „Next Practice – Erfolgreiches Management von Instabilität“, klingt das ähnlich: „Erfolgreiche Unternehmensentwicklung führt konsequent von der Individual- über die Teamintelligenz zur Gestaltung von selbstorganisierenden Netzwerken.“ Malone vertritt die Ansicht, dass große Unternehmen durch diese neu gewonnene Freiheit nichts von ihren Größenvorteilen einbüßen, zusätzlich aber an Dynamik gewinnen und einen besseren persönlichen Service bieten können – Eigenschaften, die man früher nur von kleineren Unternehmen erwartet hätte. Aber auch sie gewinnen durch die technische Entwicklung. Denn auch ein kleines Unternehmen kann heute Informationen und Ressourcen nutzen, die früher nur größten Unternehmen offen standen. Allerdings erkennt er in den Chancen, die sich bieten, auch das Problem. Die meisten Bausteine wie Breitband-Netze, Standards für den Datenaustausch, Groupware, elektronische Bezahlverfahren, Gründerkredite stellen keine Herausforderung mehr dar. „Allein unsere Phantasie hinkt der Technologie hinterher.“ Netzwerkmanagement ist auch für den deutschen Mittelstand, der im Vergleich zu nordischen Staaten über eine viel geringer ausgebildete Relationship-Kultur verfügt, eine zentrale Herausforderung der nächsten Jahre. Malone, so schreibt es Michael Müller, Geschäftsführer der Neusser a&o-Gruppe http://www.aogroup.de, in seiner Kolumne für das Bonner Wirtschaftsmagazin NeueNachricht http://www.ne-na.de, schildere dabei dankenswerterweise unmissverständlich die Alternative: „Der Westen muss seine Wirtschaft transformieren, wenn er nicht zum Friedhof des Industriezeitalters verkommen will.“

Wie schwierig es ist, Veränderungen nicht nur anzustoßen, sondern auch zu einem guten Ende zu bringen, beschreibt das Innovisions-Magazin http://www.innovisions-Magazin.de der Fraunhofer-Gesellschaft. „Oft unterschätzen Top-Manager die Schwierigkeiten der Veränderung eingespielter Arbeitsweisen. Für die Mitarbeiter bedeutet dies nicht nur das Aufgeben von Gewohnheiten. Neues umzusetzen heißt immer auch Fehler zu riskieren und mühsam neue erfolgreiche Arbeitsroutinen aufzubauen“, so das Magazin. Nützlich für die Realisierung seinen dabei „offene und interaktive Kommunikationsformen mit einer möglichst großen ‚Face-to-Face’-Komponente“.

Der Bremer Managementberater Peter Kruse analysiert in seinem Buch unter anderem das allzu deutsche Verhaltensmuster, dass Veränderung mit Bedrohung gleichgesetzt wird. „Nicht wenige Menschen fühlen sich bedroht, wähnen sich in der Rolle des Zauberlehrlings, der von einer sich selbst verstärkenden Entwicklung überrollt wird. Die eigentliche Tragweite und Veränderungsdynamik für das alltägliche Leben ist freilich nur ansatzweise ermessbar“, so Kruse. „Denken wir zum Beispiel an den Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie, in dem sich in den letzten Jahren eine atemberaubende Entwicklung vollzogen hat, und zwar durch das Internet ebenso wie durch Mobiltelefone, an der weltweit inzwischen viele hundert Millionen Nutzer teilhaben. Die Menschen bedienen sich dieser Technologie, als hätte es sie schon immer gegeben. Wenn heute jemand auf dem Bahnhof oder Flughafen scheinbar mit sich selbst redet, dann ist er kein Fall für die Psychiatrie, sondern er telefoniert. Er hat einen Knopf im Ohr, ist vernetzt. Wenn ein Rucksacktourist irgendwo in der Welt ein Café ansteuert, dann handelt es sich im Zweifelsfall um ein Internetcafé, von wo aus komplikationslos E-Mails und digitale Urlaubsfotos versandt und empfangen werden können“, so der Autor. Vernetzung und Veränderungsdynamik seien zwei Seite derselben Medaille, meint NeueNachricht-Kolumnist Michael Müller. „Zukunftsfähige Organisationen sind in der Lage, auf die wachsenden Komplexität und Dynamik einer vernetzten Außenwelt mit einer Kultur zu antworten, in der eine Vernetzung der internen Strukturen jederzeit selbstverständlich möglich ist“, so das erste Fazit von Buchautor Kruse. Patentrezepte gebe es hierfür nicht, wohl aber ein immer gleiches Verhaltensmuster: „Wo immer Menschen unter Veränderungsdruck geraten, versuchen sie zuerst einmal, ihre bislang als erfolgreich erwiesenen Verhaltensweisen beizubehalten. Sie steigern zwar die Kraftanstrengungen, lassen sich dabei aber nicht wirklich auf eine grundlegende Veränderung ein.“ Jeder Prozessmusterwechsel sei letztlich „nicht nur ein Risiko, sondern auch die Chance, dem Wettbewerb eine Zeit lang klar voraus zu sein. Wer zu lange beharrt, den bestraft die Globalisierung“, so Kruse. Bei allen Veränderungen sei es dabei alles andere als sinnvoll, neue Ordnungsmuster vorzugeben. „Wenn der Dirigent versucht, ein Muster durchzusetzen, während sich im Orchester in freier Dynamik ein neuer Rhythmus ausbildet, kann es zum unproduktiven Gegeneinander von Stabilisierungstendenzen kommen.“ Instabilität führe zwar zur Verringerung der Handlungsfähigkeit in einem System, dafür steige die Anpassungsfähigkeit und Kreativität.

Das Magazin NeueNachricht erscheint vierteljährlich. Das Einzelheft kostet 8,20 Euro. Bestellungen per Fax unter: 0228 – 620 44 75, E-Mail: baerbel.goddon@sohn.de oder über den Bestellbutton auf der Website www.ne-na.de (linke Seite). Redaktionen erhalten Besprechungsexemplare kostenlos.

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Geschrieben am 02.01.2008 von admin in * Allgemein.