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Spenser ermittelt in der ostwestfälischen Provinz

Bielefelder Verlag bringt neue Krimis des Kult-Detektivs heraus

Bielefeld – Philip Marlowe ist das unübertroffene Vorbild aller hartgesottenen Privatdetektive. Mit ihm schuf Raymond Chandler einen Helden, der immer wieder gegen das Verbrechen zu Felde zog. Romane wie „The Big Sleep“ (1939), „Farewell, my Lovely“ (1940) oder „The Long Good-Bye“ ((1953) sind Klassiker des Genres. Auch wenn der Typ des „Hard boiled“-Detektivs eigentlich von Dashiell Hammett ins Leben gerufen wurde, ist Chandler doch der gewandtere und witzigere Erzähler. Chandler darf man sich jedoch nicht wie seinen Protagonisten Philip Marlowe vorstellen, der im Kino kongenial von Humphrey Bogart oder Robert Mitchum verkörpert wurde. Er war ein eher schwieriger, sensibler und labiler Charakter, dessen Trinkfestigkeit und physische Konstitution nicht an diejenige des moralisch-melancholischen Detektivs heranreichte.

Ist Robert B. Parker ein würdiger Nachfolger Chandlers? Ist sein Held Spenser, der seit 1973 in über dreißig Krimis die Hauptrolle gespielt hat, dem großen Philip Marlowe ebenbürtig? Immerhin promovierte der 1932 geborene Parker über die „Schwarze Serie“, also Autoren wie Hammett, Chandler oder Ross MacDonald. Der deutsche Leser kann sich wieder ein Bild von den literarischen Fähigkeiten Parkers machen, seit der kleine Bielefelder Verlag Pendragon zwei neue Spenser-Bücher auf den Markt gebracht hat. Nach „Die blonde Witwe“ liegt jetzt „Der stille Schüler“ vor. Es sind recht spannende, streckenweise witzige und insgesamt unterhaltsame Romane, die man guten Gewissens empfehlen kann. Doch im Vergleich zu Chandlers Meisterwerken sind sie eher literarische Hausmannskost. Chandler war zu seiner Zeit Autoren wie Hemingway mindestens ebenbürtig, so das der Vergleich etwas unfair ausfällt.

Warum bringt der Pendragon-Verlag seit 2006 Bücher von Robert B. Parker heraus beziehungsweise warum war der Autor in Deutschland so lang von der Bildfläche verschwunden? Der Verleger Günther Butkus liefert im Gespräch mit dem Online-Magazin NeueNachricht http://www.neue-nachricht.de eine persönliche Antwort: „Ich habe schon immer gerne Parker gelesen – auch schon den 1980er Jahren – und ich fand, dass Parker ein sehr intelligenter und witziger Krimiautor ist. Seine Plots und Dialoge stimmen immer. Auch nach über 30 Spenser-Krimis hält er ein hohes Niveau. Seine Krimis sind zwar einerseits Hard Boiled, andererseits schreibt Parker auch psychologisch und sein Spenser ist eine starke Figur. Ein eigensinniger und ‚einsamer’ Schnüffler, der, wenn es sein muss, hart zuschlagen und auch Leute erschießen kann, der aber auch eine weiche Seite hat, der viel Verständnis aufbringt, der für seine Dauerfreundin Susan gerne kocht und gerade diese Beziehung zu Susan ist ein wirklicher starker Part in den Spenser-Krimis.“

Zudem sei Spenser ziemlich witzig und auch mal sarkastisch witzig, was man bei allen Dialogen spüre, erläutert der Pendragon-Chef. Parker schreibe aber nicht wie Mankell: „Bei Spenser ist der Kühlschrank immer gut gefüllt und die Unterhosen sind nie schmutzig. Seine Figur ist nicht so gebrochen wie Wallander. Und er schreibt nicht über brutale Serienkiller. Seine Figur ist auch kein Pathologe, er die Fälle im Alleingang klärt. Vielleicht ist er deshalb scheinbar aus der Mode gekommen, aber altmodisch ist er keineswegs. Und Parker ist auch kein Männer-Macho-Krimi-Autor. Auch Frau sollte ihn ruhig einmal lesen.“

„Die blonde Witwe“ und „Der stille Schüler“ begeistern nicht unbedingt mit einem besonders kniffligen Fall oder einem brisanten Inhalt. Parker schafft es, und das ist keine geringe Leistung, dem Leser den ehemaligen Boxer und Literaturliebhaber Spenser nahe zu bringen. Man findet ihn auf Anhieb sympathisch. Selbst weibliche Leserinnen werden ihm seine begehrlichen Blicke auf weibliche Schenkel und sonstigen dezent sexistischen Anwandlungen nicht übel nehmen. Denn letztlich bleibt er seiner Partnerin Susan treu. Und dass die Kapitellänge der Romane immer extrem kurz ausfällt, kommt denjenigen Lesern entgegen, die abends im Bett noch ein paar Seiten lesen wollen. Mit Dankbarkeit stellt man übrigens fest, dass uns der lakonische Autor nicht mit diversen Nebenhandlungen und Nebenfiguren mit allerlei psychischen, familiären oder sonstigen Defekten tratkiert.

In „Der stille Schüler“ erhält Spenser, der in den achtziger Jahren auch als TV-Held für Furore sorgte, den Auftrag, die Unschuld des 17-jährigen Jared Clark zu beweisen. Dieser soll gemeinsam mit einem Mitschüler ein Massaker an einer amerikanischen Privatschule begangen haben. An der Schuld des Jungen gibt es keinen Zweifel, Spenser interessiert sich jedoch als einer der wenigen für das Motiv des „stillen Schülers“. In diesem Punkt ähnelt er Marlowe, der auch weniger an Geld und dem Zurstreckebringen von Gangstern, sondern an Hintergründen und dem – pathetisch gesprochen – Herstellen von ein wenig Gerechtigkeit interessiert war.

Sollte man also zum Kauf der Parker-Bücher raten? Butkus jedenfalls tut es: „Für die ‚alten’ Parker/Spenser-Leser füllen wir die Lücke, denn seit Ende der 1990 Jahre sind die neuen Parker/Spenser-Krimis nicht mehr auf deutsch erschienen. Sie können nun endlich wieder Parker lesen und ihre Sammlung vervollständigen. Wer noch nie Parker gelesen hat, bekommt durch unsere neuen Spenser-Krimis die Möglichkeit, ganz neue und aktuelle Stoffe und damit auch diesen wirklich guten Autor kennenzulernen.“ Zwar sei „Der stille Schüler” ein Krimi über eine Schießerei auf einem Campus, doch Parker sei kein platter und oberflächlicher Autor ist. Er greife zwar dieses aktuelle Thema auf, löse es aber auf eine gekonnte und überzeugende Weise. „Und wer richtig neugierig geworden ist, kann sich auf weitere neue Spender-Krimis bei Pendragon in den kommenden Jahren freuen“, verspricht der Verleger aus der ostwestfälischen Provinz.

Robert B. Parker: Der stille Schüler. Ein Auftrag für Spenser. 216 Seiten, Euro 9,90, Pendragon Verlag: Bielefeld 2007. ISBN 978–3- 86532-068-1. http://www.pendragon.de.


Geschrieben am 16.08.2007 von admin in * Allgemein.