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Virsona.com: Digitaler Plausch mit Marylin und Co.

Stimme als Interaktionsmedium verleiht Echtheit und Verbindlichkeit

Silicon Valley/Berlin – Ein Flirt mit Marylin Monroe, die Relativitätstheorie mit Albert Einstein diskutieren oder mit dem früheren US-Präsidenten Ronald Reagan über dessen Amtszeit? Die Kommunikation mit historischen Persönlichkeiten im digitalen Jenseits ermöglicht die Website Virsona.com http://www.virsona.com. Deren Gründer Peter Hodge und Eric Rand haben die Software ihrer Plattform mit Unmengen an Informationen „gefüttert und darauf trainiert, Fragen zu analysieren und möglichst korrekt zu beantworten“, berichtet die Wirtschaftswoche http://www.wiwo.de. Aber: Bislang kann man nur schriftlich mit den Promis kommunizieren, per Tastatur im Chat. Das Gründerduo setzt nach Wiwo-Angaben „dabei auf die Zusammenarbeit mit Hollywood. Die Filmstudios könnten virtuell belebte Kinofiguren wie Indiana Jones oder Star-Trek-Captain Kirk nutzen, um die Fans zum Kauf von Kinokarten und DVDs zu verleiten. Nach dem gleichen Muster könnte die Werbeindustrie verfahren: Meister Proper von Procter & Gamble gibt Putztipps, das Michelin-Männchen fabuliert über den richtigen Reifendruck.“

Auch wenn es den Virsona-Machern nicht darum geht, realistische Abbilder der historischen Figuren zu erschaffen, sondern deren Persönlichkeit abzubilden, wäre der Schritt vom Chat zur Sprachausgabe konsequent, die den virtuellen Plausch erst zu einem nahezu authentischen Gespräch machen würde. „Mit der menschlichen Stimme wird eine Erwartung, eine Vermutung der Echtheit, der Verbindlichkeit verknüpft, die bei keinem anderen Darstellungsmedium zählt“, sagt der Berliner Medienwissenschaftler und Zukunftsforscher Norbert Bolz http://www.medienberatung.tu-berlin.de/index.php?akt=a&id=52&kategorie=Mitarbeiter. Für Bolz ist die Bedeutung der Stimme längst definiert: „Wenn Sie auf Ihr Auto zugehen und können es öffnen und starten, indem Sie es ansprechen, das lässt sich niemals überbieten“, erläutert er einen alten Traum der Zivilisation. „Nichts erscheint uns so vertraut wie die Stimme“, bestätigt Mladen Dolar, Professor für Philosophie an der Universität Ljubljana http://www.uni-lj.si, in seinem Buch „His master’s voice – Eine Theorie der Stimme“. Diese sei das natürlichste Interaktionsmedium schlechthin. „Unaufhörlich gebrauchen wir unsere Stimmen und hören wir Stimmen zu; unser ganzes Sozialleben ist durch Stimmen vermittelt“, so der Philosoph.

Experten bewerten die Zunahme von sprachgesteuerten Serviceangeboten daher als folgerichtig. „Künftig werden wir immer mehr Bereiche sehen, in denen sich Sprachlösungen durchsetzen – Banken, Versicherungen, Ämter. Der Grund liegt darin, dass der Sprachcomputer rund um die Uhr erreichbar ist. Die Unternehmen können damit Standardprozesse an das Sprachdialogsystem übergeben und Mitarbeitern mehr Zeit für beratungsintensivere Tätigkeiten verschaffen“, berichtet Lupo Pape, Geschäftsführer des Berliner Unternehmens SemanticEdge http://www.semanticedge.de. Es würden schrittweise neue Systeme in verschiedenen Branchen an den Markt kommen, die neue Qualitätskriterien erfüllen, aber eben auch die entsprechende Technologie haben, um das überhaupt leisten zu können. Sprachverarbeitende Technologie, davon ist auch Norbert Bolz überzeugt, werde in der Servicegesellschaft eine noch größere Rolle spielen, auch wenn der Voice Self Service dem Kunden eine andere emotionale Einstellung abverlange als der Internet Self Service, wo man genau wisse, dass man mit einem Programm im Dialog stehe.


Geschrieben am 10.07.2008 von admin in * Allgemein.